GESELLSCHAFT FÜR ERBRECHT UND STIFTUNGSRECHT EEIG

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Nachlassverwaltung

Die Seite informiert Sie zum Thema Nachlassverwaltung: welches Gericht für die Nachlassverwaltung zuständig ist, wann diese angeordnet wird, wie und von wem der Antrag auf die Nachlassverwaltung zu stellen ist, über ihre Kosten, Dauer und Rechtswirkungen.


Nachlassverwaltung - zuständiges Gericht

Zuständig für die Anordnung der Nachlassverwaltung ist das Nachlassgericht am letzten Wohnsitz des Erblassers. War der Erblasser ohne festen Wohnsitz, so ist der Sterbeort maβgebend.

Nachlassverwaltung - Anordnung

Das Nachlassgericht ordnet auf Antrag die Nachlassverwaltung an. Es muss genügend Nachlassvermögen vorhanden sein, um die Kosten der Nachlassverwaltung zu decken und es darf noch kein Nachlassinsolvenzverfahren eingeleitet worden sein.


Was machen Sie, wenn nicht genügend Nachlass vorhanden ist? Als Erbe können Sie die Dürftigkeitseinrede erheben und damit die Haftung auf den Nachlass beschränken. Idealerweise haben Sie einen Beschluss, der den Antrag auf Nachlassverwaltung mangels Masse ablehnt!



Nachlassverwaltung - Antrag

Der Erbe kann zeitlich unbeschränkt die Bestellung eines Nachlassverwalters beantragen. Miterben können die Nachlassverwaltung vor der Erbauseinandersetzung nur gemeinschaftlich beantragen. Der Erbe braucht im Übrigen seinen Antrag nicht zu begründen, insbesondere ist es nicht erforderlich, dass er die Überschuldung oder die drohende Überschuldung oder die Zahlungsunfähigkeit des Nachlasses glaubhaft macht oder darlegt. Dies hat das Gericht im Falle des Antrages eines Erben auf Einleitung der Nachlassverwaltung nicht zu prüfen.


Für Sie als Erbe ist entscheidend, die Nachlassverwaltung schnell zu beantragen, wenn Anzeichen für die Überschuldung des Nachlasses vorhanden sind!



Nachlassgläubiger können die Nachlassverwaltung innerhalb von zwei Jahren nach Annahme der Erbschaft durch den Erben beantragen, falls die Gefahr besteht, dass nicht alle Verbindlichkeiten aus dem Nachlass erfüllt werden können, oder wenn Grund zu der Annahme besteht, dass die Befriedigung der Nachlassgläubiger aus dem Nachlass durch das Verhalten oder die Vermögenslage des Erben gefährdet wird. Die Nachlassverwaltung ist durch das Nachlassgericht anzuordnen, wenn der Gläubiger glaubhaft das Bestehen einer Forderung vorträgt und glaubhaft darlegt, dass Grund zu der Annahme besteht, dass die Befriedigung aus dem Nachlass durch das Verhalten des Erben oder durch die Vermögenslage gefährdet wird. Auβerdem muss eine hinreichende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen einer Forderung gegeben sein.

Die Nachlassverwaltung ist eine Form der Nachlasspflegschaft. Während aber die Nachlasspflegschaft insbesondere den Nachlass bis zur Annahme einer Erbschaft sichern soll, dient die Nachlassverwaltung der Befriedigung der Nachlassgläubiger.


Nachlassverwaltung - Rechtswirkungen

Die Bestellung eines Nachlassverwalters führt zur einer Trennung des Eigenvermögens des Erben und des Nachlassvermögens, wodurch eine Haftungsbeschränkung des Erben auf den Nachlass erreicht wird. Der Erbe kann infolgedessen Nachlassgläubiger auf den Nachlass verweisen und den Zugriff auf sein Eigenvermögen abwehren, auch wenn er offiziell weiterhin der Erbe des Nachlasses ist.


Beantragen Sie die Nachlassverwaltung, wenn Sie sich über den Bestand des Nachlasses nicht im Klaren sind! Gefährden Sie nicht Ihr eigenes Vermögen!



Der Erbe verliert mit der Bestellung des Nachlassverwalters die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über den Nachlass. Dies hat insbesondere die Folge, dass ein Nachlassschuldner - wie z. B eine Versicherung - nicht mehr schuldbefreiend an den Erben zahlen kann.


Nachlassverwaltung - Kosten

Der Nachlassverwalter hat Anspruch auf Ersatz seiner Aufwendungen und auf eine angemessene Vergütung, die vom Nachlassgericht festgesetzt wird. Für die Berechnung der Vergütung sind der Wert des Nachlasses, die Bedeutung, Umfang und Schwierigkeit der Tätigkeit, aber auch die Erfolge der Verwaltungs- und Verwertungstätigkeit maβgeblich. Die Praxis ist bei der Bemessung einer angemessenen Vergütung für den Nachlassverwalter groβzügiger als bei der Bemessung einer angemessenen Vergütung für den Nachlasspfleger. Hintergrund ist, dass der Nachlassverwalter nicht nur den Erben, sondern auch den Gläubigern gegenüber haftet, mithin schwierigere Geschäfte zu führen hat und ein gröβeres Haftungsrisiko eingeht.

Aufwendungen, wie Porti, Kopien oder Fotos kann der Nachlassverwalter erstattet verlangen. Zu den Aufwendungen des Nachlassverwalters können auch die Dienste zählen, die zu seinem Gewerbe und Beruf gehören. Ein Rechtsanwalt kann z. B. dann auch nach dem RVG abrechnen, wenn er einen Prozess für oder gegen den Nachlass führt.

Die Vergütung wird dem Nachlass entnommen. Ein Anspruch gegen die Staatskasse ist nicht möglich.


Achten Sie auf Ihre Rechte! Wenn Sie denken, dass die Vergütung zu hoch ist, dann lassen Sie sich beraten oder wenden Sie sich an das Nachlassgericht.



Nachlassverwaltung - Dauer

Es bestehen mehrere Gründe, warum die Nachlassverwaltung enden kann.

Zum einen endet die Nachlassverwaltung mit der Eröffnung des Nachlassinsolvenzverfahrens.

Die Nachlassverwaltung kann auch aufgehoben werden, wenn nur eine Nachlassmasse vorhanden ist, die die Kosten der Nachlassverwaltung nicht deckt.

Wenn alle bekannt gewordenen Nachlassgläubiger befriedigt sind, ist der Zweck der Nachlassverwaltung erreicht, und die Nachlassverwaltung wird durch Beschluss des Gerichts aufgehoben.


Auch wenn die Nachlassverwaltung mehrere Jahre dauert, haben Sie als Erbe während dieser Zeit keinerlei Zugriff auf das Erbe!



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